Worum gehts? Brausen…

Eine „Suchmaschine“ für medizinische Daten? Nicht ganz.

Wie könnte man denn in diesem Bild suchen:

Die Idee, die dahinter steht, ist vor allem nicht das Suchen, sondern das Browsen. Man nennt ja heute noch das user Interface für das Netz einen Browser, obwohl meist gezielte Googlesuche damit gemacht wird. Wichtige kreative Prozesse – wie hier die Frage nach neuen Erkentnissen (Analysemethoden, Diagnoseergebnisse etc.) lassen sich nicht suchen. Frei nach Picasso: „Ich suche nicht, ich finde“. In den Informationswissenschaften ist das Konzept des ‚Browsing‘ zentral und steht dem „searching“ bzw. „seeking“ gegenüber:

Im Gegensatz zur zielgerichteten, verbalisierbaren Informationssuche expliziter, oftmals bekannter Information ist Browsing ein weniger intentionales, meist visuelles, bzw. mit Bewegung verbundenes Explorieren von eher Unbekanntem. Marcia Bates definiert Browsing als die – nicht nur menschliche – Tätigkeit, bei der man in einer Serie von flüchtigen Eindrücken, mit Objekten von potenziellem Nutzen „in Kontakt“ kommt; diese physischen oder repräsentierten Objekte dann einzeln oder gruppiert in die engere Betrachtung zieht oder nicht und diese Betrachtung dann je nach Interessenlage dann dazu führen kann, dass diese Objekte im physischen oder übertragenen Sinn in Besitz genommen werden. Während bei dem Begriff der Serendipity (des „Streuens“) der zufällige Fund im Vordergrund steht wird Browsing in neueren informationswissenschaftlichen Überlegungen als eine wesentliche Form des Informationsverhaltens gesehen, das durch die menschliche Neugier motiviert ist und zum Abstecken eines Terrains aber auch zur Suche nach nicht Explizierbarem, Neuem genutzt wird. Es geschieht stets in einem zusammenhängenden (meist) räumlichen Kontext wie z.B. an den Regalen der Bibliothek oder Hypertextstrukturen des Webs beim Surfen. Es ist zu unterscheiden vom gezielten Überfliegen (Durchblättern, „Scannen“) z.B. eines Buches zwecks erster Aneignung. Browsing ist noch wenig empirisch erforscht; neuere Ergebnisse von Psychologie, Verhaltensforschung, Interface Design und der Forschung zur Mensch-Maschine-Interaktion lassen hierbei auf wichtige Hinweise zur Neugestaltung von Informationssystemen hoffen. (Zitat aus dem „Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft“. Stuttgart 2010ff“ – Lemma Browsing, Autor Hobohm)

Literatur dazu: Bates, M. J.: What is browsing – really. A model drawing from behavioural science research. In: Information Research, 12 (2007), 4. Online: http://InformationR.net/ir/12-4/paper330.html. – Morville, P.: Ambient findability: what we find changes who we become. Beijing u.a.: O’Reilly, 2005. – Rice, R. E.; McCreadie, M.; Chang, S.L.: Accessing and browsing information and communication. Cambridge Mass.: MIT Press, 2001.

weitere Bilder:

Bisherige Suchmasken:

Dieser Beitrag wurde unter Projekt abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.